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Ein '''Kondom''' (auch '''Präservativ''', von ?vorbeugen?, ?verhüten?) ist eine dünne Hülle, zumeist aus vulkanisiertem Kautschuk, die zur und zum Schutz gegen en vor dem Geschlechtsverkehr über den erigierten Penis des Mannes gestreift wird.

Geschichte

Die ersten Kondome wurden aus gewebtem Stoff gefertigt. Sie waren nicht besonders wirksam bei der und dem Schutz vor übertragbaren Krankheiten, da sie nicht vollkommen undurchlässig waren.

Die ersten wirkungsvollen Kondome wurden aus Schafsdärmen oder anderen tierischen Membranen hergestellt. Solche sind auch heutzutage noch erhältlich. Sie gelten bei manchen als sinnlicher, fühlen sich wegen der geringen Elastizität und Slip-Stick anders an, und sind nicht so wirkungsvoll wie künstlich hergestellte Kondome bei der Verhütung von Schwangerschaften sowie (beispielsweise HIV, ). Bereits Casanova benutzte solche Kondome, die im 18. Jahrhundert ''English Overcoats'' genannt wurden, um sich vor der gefürchteten Syphilis zu schützen.

1839 machte / Michael Sontheimer: ''Fromms. wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel'', Frankfurt am Main 2007.</ref>

Ende des 19. Jahrhunderts verkaufte Maison A. Claverie, Paris, aufgerollte Kondome mit Reservoir unter dem Artikelnamen ?Le Parisien? (Der Pariser). Sie waren aus dehnbarem Gummi und konnten unter Umständen mehrmals verwendet werden. Eine Weiterentwicklung hatte am unteren Rand des Reservoirs einen angeklebten Stachelring aus Gummi und hieß ?Le Parisien Dentelé? (Der Gezahnte Pariser).

In Deutschland wurde im Jahr 1888 durch Bundesratsverordnung verboten, dass Frauen und jugendliche Arbeiter in Präservativfabriken arbeiten.

1912 entwickelte der Gummifabrikant Julius Fromm eine Methode, nahtlose Kondome herzustellen, indem ein Glaskolben in eine Gummilösung eingetaucht wurde. Ab 1930 wurde Latex als Material benutzt. Durch diese Entwicklung wurden verhütende Latex-Kondome allgemein verfügbar. Der Verkauf von Kondomen war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts aber vielerorts verboten, beziehungsweise nur zum medizinischen Gebrauch erlaubt. In Irland galt eine solche Regelung noch bis Anfang der 1990er Jahre.

Im Ersten Weltkrieg gehörten Kondome zur Standardausrüstung der Soldaten. Die deutsche, französische und britische Armee verteilten Kondome unter den Soldaten, die US-Armee jedoch nicht, so dass US-Soldaten häufiger unter Geschlechtskrankheiten litten als Angehörige anderer Armeen.

Die frühen Latex-Kondome waren alle prinzipiell recht ähnlich. Der wesentliche Unterschied war bei einigen Kondomen das Fehlen des heute üblichen Reservoirs zur Aufnahme der Samenflüssigkeit (Ejakulat). Eine frühe Entwicklung ? die ''short cap'' ?, die nur über die Eichel des Penis gestreift wurde, scheiterte bei der Reduzierung von Schwangerschaften und Krankheiten.

In den nachfolgenden Jahrzehnten entwickelten Hersteller Kondome in vielen Variationen, die sich in Materialien, Größen (Länge und Breite), Stärken, Farben, Formen und Struktur unterscheiden.

Der finanzierte allein für das Jahr 2014 die Verteilung von 5,1 Milliarden Kondomen weltweit.

Etymologie

Über die Namensherkunft gibt es viele Theorien. Die verbreitetste ist, dass Kondome ihren Namen von einem Dr. Condom erhalten haben, der #11/2019, Hamburg 2019, S. 16?23, </ref>

Materialien

Kondome werden vorwiegend aus Naturkautschuk-Latex, aber auch aus Polyurethan (PUR) oder Polyisopren (PI) gefertigt, da man auf Naturkautschuk auch allergisch reagieren kann. Zudem gibt es Kondome aus spezialbehandeltem Naturdarm (?Naturalamb?), die allerdings nicht zuverlässig vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. Polyisopren ist im Gegensatz zu PU dehnbarer als Latex (größeres Berstvolumen, allerdings kleinerer Berstdruck).

Die Produktion von Kondomen aus Naturkautschuklatex erfolgt meist in sieben Schritten:

  1. Eintauchen des Formkörpers in flüssiges Naturkautschuklatex
  2. Austauchen der Form und Trocknen (Vulkanisieren) des anhaftenden Gummifilms
  3. Abziehen des getrockneten und verfestigten Gummifilms von dem Formkörper
  4. Spülen des Gummifilms und Puderbeschichtung
  5. Trocknen des gewaschenen und puderbeschichteten Gummifilms
  6. elektronische Einzelprüfung auf Dichtheit
  7. Aufrollen des Kondoms
  8. Verpackung nach Abschluss der Produktion des Produktes

Latex-Kondome werden durch fetthaltige Substanzen, wie z. B. oder Vaseline, porös und verlieren ihre Schutzwirkung. Gleitmittel auf Wasserbasis und sind latexverträglich. Kondome aus Polyethylen oder Polyurethan sind zusammen mit fett- beziehungsweise ölhaltigen Gleitmitteln einsetzbar. Für Latexallergiker sind Kondome aus Polyethylen, Polyurethan oder Polyisopren eine mögliche Alternative.

Ausführungen

Kondome sind individuellen Bedürfnissen entsprechend in verschiedenen Größen, Stärken und Farben erhältlich. Es gibt sie auch in verschiedenen Geschmackssorten ? bspw. für den Oralverkehr ? sowie besondere Oberflächenstrukturen zur Stimulation und Steigerung der Lust. Da die verschiedenen Geschmackssorten auch einen entsprechenden Duft verbreiten, sind sie eine beliebte Alternative zu den gewöhnlichen Kondomen. Für Analverkehr gibt es extra starke Kondome mit erhöhter Wanddicke (0,1 mm), die den Belastungen dieser Sexualpraktik besser standhalten sollen und daher empfohlen werden. Mit Spermizid behandelte Kondome bieten eine zusätzliche Sicherheit und Kondome mit Benzocain, einem Lokalanästhetikum, versprechen ausdauernden Sex. Mit dem Film ''Skin Deep'' wurden Kondome populär, die im Dunkeln leuchten. Für z. B. Veganer sind tierversuchsfrei entwickelte Kondome erhältlich. Die größte Vielfalt wird in Standardgrößen (je nach Hersteller 52 mm oder 54 mm) angeboten, bei kleineren oder größeren ist die Auswahl zumindest begrenzt.

Normung

Kondome waren in Europa seit 1996 nach DIN EN 600 normiert. Diese Norm regelte einerseits die Größe (mindestens 17 Zentimeter lang und (flach ausgebreitet) 4,4?5,6 Zentimeter breit), andererseits die Testverfahren, nach denen die Präservative auf ihre Haltbarkeit, Festigkeit und Dichtigkeit geprüft werden. Um zu prüfen, ob sie dicht sind, werden sie in eine Elektrolytlösung getaucht. Leuchtet die Lampe an der Prüfstation auf, so fließt Strom durch das Kondom, das heißt, es ist undicht und wird aussortiert. Beim Test auf Reißfestigkeit und Dehnungsfähigkeit muss ein Kondom eine Dehnung bis auf das Siebenfache seiner Normalgröße unbeschädigt überstehen. Einem Test der Stiftung Warentest aus dem Jahre 1999 zufolge erreichten allerdings drei von 29 getesteten Kondomen die Prüfziele nicht.

Seit 2002 gilt die internationale Norm EN ISO 4074, abgestimmt zwischen CEN und ISO, die unter anderem einen flexibleren Spielraum für Normierung der Größe einräumt. Das Kondom muss hiernach mindestens 16 cm lang sein und je nach Breite ein bestimmtes Mindestvolumen (im aufgeblasenen Zustand) garantieren. Eine Beschränkung auf maximal 5,6 cm Breite besteht nicht mehr, der Hersteller muss lediglich eine Standardabweichung von +/? 2 mm gegenüber dem auf der Verpackung angegebenen Wert einhalten.
In Deutschland löst DIN EN ISO 4074 die Norm EN 600 ab. Kondome, deren Verpackung den Aufdruck ?EN 600? tragen, durften nur bis 2004 verkauft werden.

Kondomgrößen

Bis 2002 war die nominelle Breite von Kondomen durch Norm DIN EN 600 auf minimal 44 mm und maximal 56 mm beschränkt. Die Standardgröße von 52 mm nomineller Breite wurde nach oben nur um ?XXL?-Kondome mit 56 mm Breite ergänzt. Inzwischen bieten einige Hersteller auch Kondome von 47 mm bis zu 69 mm Breite an.

Die Kondome sollen für maximalen Komfort und maximale Sicherheit passend zur Penisgröße (Umfang) gewählt werden Dabei oder zu Hause Kondome haben 65?76 % der Männer und 49?63 % der Frauen (16?45, allein lebend, Befragung 1994?2007) Beim ersten Geschlechtsverkehr haben 55?75 % mit Kondom verhütet (14?18 Jahre, Befragung 1994?2014).

Noch nie Kondome verwendet haben mindestens 7 % der Männer und 12 % der Frauen von 16?65 in allen Befragungen (1984?2007).

Alternativen und Anwendungsvarianten

Eine verhütende und zugleich vor Krankheitsübertragungen schützende Alternative zum Kondom ist seit neuerer Zeit das oft als ?Kondom für die Frau? bezeichnete so genannte Femidom.

Die nerin Sonette Ehlers stellte mit Rape-axe 2005 eine Sonderform des Femidoms vor, die der Verhütung von Vergewaltigungen dienen soll.

Aus einem Kondom kann man bei Bedarf ein Lecktuch herstellen, das bei einem oralen Vaginalverkehr (Cunnilingus) oder oralen Analverkehr (Anilingus) vor einer Infektion schützt.

Im Rahmen einer vaginalen Sonografie streift der Frauenarzt ein Kondom über die Ultraschallsonde, um den Schutz vor Infektionen während der Untersuchung sicherzustellen.

Das Kondomurinal ist ein Hilfsmittel in der Pflege von an Harninkontinenz leidenden Männern, es besitzt die Form eines Kondoms mit Anschlussmöglichkeit eines Schlauches zur Harnableitung.

Simple Kondome werden von männlichen Segelfliegern als Notlösung, um Urin aufzufangen, mitgeführt. Trotz Pinkelroutine vor dem Start kann es durch die Kälte in der Höhe und überraschend lange Flugdauer zu Harndrang kommen.

Vor- und Nachteile sowie Risiken des Kondoms als Verhütungsmittel

Vorteile

  • Im Gegensatz zu Verhütungsmitteln wie dem Implanon oder der Spirale, die eine fehlerhafte Anwendung ausschließen, weichen bei Kondomen der Pearl-Index bei durchschnittlicher Anwendung und der Pearl-Index bei idealer Anwendung stark voneinander ab. Bei perfekter Anwendung kann ein Pearl-Index von 0,6 erreicht werden.

    Scherzkondome

    Nicht der Verhütung dienen Scherzkondome. Diese dienen eher einem unterhaltsamen Vorspiel. Scherzkondome lassen sich, ebenso wie herkömmliche Kondome, über das männliche Geschlechtsteil abrollen, jedoch befindet sich an deren oberen Ende eine Scherzfigur. Im Wiener ''Condomi-Museum'' ist eine Anzahl von Scherzkondomen ausgestellt.

    Sonstiges

    • Im volkstümlichen Sprachgebrauch existieren für Kondome zahlreiche Synonyme, unter anderem ?Pariser?, ?Verhüterli?, ?Lümmeltüte?, ?Präser(l)?, ?Gummi?, ?Nahkampfsocke?, ?Fromms? oder ?Frommser? (jeweils nach dem Hersteller Fromms), ?Londoner? (es gibt einen Hersteller ''London''), ''Blausiegel'' (eine ehemals in Österreichs Automaten verbreitete Marke), ?Überzieher?, ?Tüte?, ?Rammelbeutel?.
    • In der DDR waren Kondome im Allgemeinen unter der Bezeichnung ?Mondos? oder umgangssprachlich als ?Gummi-Fuffzcher? (nach dem Preis von fünfzig Pfennig) erhältlich. Berühmt war hierfür der diskrete Versand von H. Kästners Familienunternehmen aus Dresden, der bis zu zwei Millionen Kondome pro Jahr versandte. Der Bau der ersten Kondomfabrik wurde von Karl-Heinz Mehlan initiiert, der auch die Antibabypille in der DDR einführte.
    • Seit 1. Juli 2017 gilt in Deutschland bei Prostitution eine Kondompflicht (§ 32 Absatz 1 Prostituiertenschutzgesetz). Vorher bestand sie nur in Bayern (seit dem 16. Mai 2001; § 6 Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten)
    • In der französischen Stadt Condom (deren Name eigentlich nichts mit dem Verhütungsmittel zu tun hat) gibt es ein Verhütungsmuseum. Dies ist wohl Touristen geschuldet, die sich immer wieder über den Namen der Stadt lustig machten.
    • Das Wort ?Kondom? war gemeinsam mit AIDS das Wort des Jahres im Jahre 1987.
    • Superfeucht, ursprünglich eine werbende Qualitätsbezeichnung für mit Gleitmittel ausgestattete Kondome wurde eine Rockband in Linz (1981) und ein Eiskletter-Wasserfall in genannt.
    • Kondome sind auch Thema im (MUVS) in Wien.

    Literatur

    • Marianne Ursula Bauer: ''Die Frommser-Saga: alles über Kondome von A bis Z''. Neuer Sachsenverlag, Leipzig 1991, ISBN 3-910164-28-5.
    • Hannes Bertschi: ''Die Kondom Story.'' vgs, Köln 1994, ISBN 3-8025-1286-3.
    • : ''Kondome. Gütesicherung RAL-RG 203''. Beuth, Berlin 1996.
    • Helen Epstein: ''The Invisible Cure. Africa, the West, and the Fight against AIDS.'' Farrar Straus & Giroux, New York, NY 2007, ISBN 978-0-374-28152-6.
    • Caspar Frei: ''Viva Kondom, alles über Kondome, woher sie kommen, wozu man sie braucht, wem sie nützen.'' Olms, Zürich 1993, ISBN 3-283-00263-0.
    • Ian Harvey: ''Kondome quer durchs Curriculum''. Verlag an der Ruhr, Mülheim an der Ruhr 1995, ISBN 3-86072-191-7.
    • Karl Hoche: ''Ihr Kinderlein kommet nicht! Geschichte der Empfängnisverhütung.'' Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1983, ISBN 3-548-20327-2.
    • Mavis Jukes: ''Küsse, Kerls, Kondome. Was Mädchen wissen wollen.'' Droemer Knaur, München 1998, ISBN 3-426-82129-X.
    • Claudia Klier: ''Kondome, na sicher! Eine Broschüre über Empfängnisverhütung und Schutz vor Ansteckung''. Maudrich, Wien/München 1990, ISBN 3-85175-531-6.
    • : ''Das Kondom. Zur Geschichte der Sexualität vom Kaiserreich bis in die Gegenwart'' (= ''Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.'' Band 237). Steiner, Stuttgart 2016, ISBN 3-515-11334-7.
    • Jeanette Parisot: ''Dein Kondom ? das unbekannte Wesen. Ein Pariser-Buch.'' BuntBuch, Hamburg 1985, ISBN 3-88653-080-9.

    Weblinks

    • Informationen zum Kondom bei pro familia

    Einzelnachweise